Der Weg durch den „Hundeguru-Dschungel“

ODER

„Bin ich hier richtig?“


Kynopädagoge?Verhaltensberater? Hundepsychologe? Hundemediator? An wen soll man sich bloß wenden, wenn man unter fachkundiger Anleitung seinen Hund erziehen und ausbilden will?

 

Willkommen im Blendwerk der Hundeszene. Aber aufgepasst, ein schicker (im übrigen durchgängig ungeschützter) Titel sagt leider noch gar nichts über die Fähigkeiten eines Menschen aus. Schutz vor Scharlatanen gibt es daher nicht.

 

Manch einer wirbt nicht nur mit tollen Titel oder Berufszeichnungen, es gibt auch Menschen, die nennen sich „professioneller“ Hundetrainer. Aha, und es gibt auch unprofessionelle? Sicherlich, aber wie kann ein Hundebesitzer denn nun herausfinden, wo ihm und seinem Hund geholfen wird?

Wie qualifiziert ist jemand, der seinen „Titel“ bei einem „zertifizierten Institut“ per Fernstudium absolviert hat? Ich habe Schulungsunterlagen gesehen, wo die Studenten einen Lückentext zur Anatomie des Hundes ausfüllen mussten, das dem Niveau einer Gymnasialklasse in der Mittelstufe entsprach...

 

Man setze 10 Hundetrainer an einen Tisch, einziger Konsens am Ende der Diskussion um Methoden und Techniken: Alle behaupten, sie machen es besser als der Kollege von nebenan. Viele glauben, das Rad neu erfunden zu haben und kochen dann doch nur die altbekannte Suppe mit den gleichen Zutaten. Sie werben mit "Ausbildung nach neuesten kynologischen Erkenntnissen" und schnallen dann doch mittelalterliche Werkzeuge und Hilfsmittel an den Hund.

Leben und leben lassen ist offensichtlich schwierig. Dabei führen bekanntlich viele Wege nach Rom und nicht jeder Persönlichkeitstyp passt zum anderen. Neben Qualifikationen muss nämlich auch das Zwischenmenschliche zwischen Hilfesuchendem und Hilfeanbietendem stimmen.

Gewarnt sei vor starren Methoden und der Unflexibilität von so manch selbsternanntem Hundespezialisten. Hunde sind so individuell wie ihre Zweibeiner. Beide sollten nicht über einen Kamm geschert werden. Ein guter Trainer zeichnet sich in unseren Augen dadurch aus, dass er seinen Pappenheimern zuhören, Bedürfnisse und Kompetenzen erkennt und ganz individuelle Wege aufzeigen kann.

 

Ein in unseren Augen guter Trainer ist manchmal auch schonungslos ehrlich und nicht immer auf Schmusekurs bedacht, auch nicht dem schnöden Mammon zuliebe.

Aber es muss sich ja etwas bewegen und das ist manchmal für alle Beteiligten nicht ganz einfach und erfordert viel Umdenken, sogar manchmal auf beiden Seiten. Rückschritte müssen verarbeitet und Fortschritte gewürdigt werden. Wer viel macht, macht eben auch Fehler. Es ist oftmals ein „learning by doing“, denn Probleme lassen sich selten am Schreibtisch oder grübelnd über einem Buch bewältigen.

Wenn die Aufgabe eines Trainer unter anderem ist, anderen einen Spiegel aufzuzeigen und sie in ihrem Tun zu reflektieren, so ist er aber keineswegs verantwortlich für das, was in diesem Spiegel zu sehen ist. Und selbst konstruktive Kritik ist nicht für jeden Menschen angenehm. Umdenken erfordert die Fähigkeit zur Selbstkritik, viel Engagement und nicht selten Mut, den inneren Schweinehund zu besiegen. Aber es ist die Mühe wert, ganz sicher!

 

Der Titel macht also den Hundefachmenschen nicht aus. Der bodenständige Trainer mit Erfahrung und Ehrlichkeit ist oft besser als der vielgerühmte Szene-Guru mit einem Riesenapparat an Netzwerk, Internetpräsenz und Pseudofangemeinde, telegenem Konterfei und Fernsehauftritten, in der aufgrund des seichteren Formats scheinbare Patentrezepte vermittelt werden.

 

Ein weiteres Problem ist, dass die Spezies Mensch selten die goldene Mitte findet. Auch in der Hundeszene wird das deutlich. Trainer und ihre Methoden, die gerade besonders gefragt sind, sind oft das Gegenteil vom Kollegen, der noch vor einigen Monaten heiß diskutiert wurde. Die Szene neigt dazu, umzuschlagen. Vom Wattebäuschchenwerfer zum Starkzwangler und wieder zurück.

 

Auch die Hunde-Literatur ist unüberschaubar und viele dort enthaltene Tipps und Trainingsansätze widersprüchlich. Außerdem hören Bücher meistens genau dort auf, wo es besonders spannend wird oder der eigene Hund eben kein 08/15 Typ ist und ganz anders reagiert, als er theoretisch sollte.

Je mehr man liest, desto unsicherer wird man. Es ist eben nicht leicht, seinen eigenen Weg zu finden, weder als „Hundeprofi“ noch als ganz normaler Hundehalter. Wenigstens nicht dann, wenn man die besondere Verbindung zwischen Hunden und Menschen wertschätzt und ihr entsprechend Rechnung tragen will.

 

Genug philosophiert. Pack deinen Hund ein und absolviere Probestunden. Jeder seriöse Trainer bietet Schnupperstunden oder eine Vorbesprechung an. Feste Buchungen und damit einhergehende Zahlungsverpflichtungen am Telefon sind ein No-Go. Und eine überlange Vertragsbindung an einen Trainer ebenso.

 

Frag Menschen, die in deinen Augen eine tolle Beziehung zu ihrem Hund haben, wie sie sich diese erarbeitet haben. Und schau dir nicht nur das Ergebnis an, sondern lass dir den Weg dorthin erklären. Der Zweck heiligt niemals die Mittel.

 

Noch ein allerletzter Tipp: Du hast ein Bauchgefühl, bitte vergiss das nicht. Selbst wenn du vorher noch nie mit dem Lebewesen Hund zu tun hattest: Tue nur das, was du auch vertreten kannst. Du kannst nein sagen, wenn dir etwas nicht gefällt, immer und jederzeit. Dein Trainer mag viele Ratschläge für dich haben.

Aber er ist kein Hunde-Heiliger!

Er kann und wird dir die Verantwortung für deinen Hund nicht abnehmen!!!

 

von

Stefanie Gaden

 

(Staatlich ungeprüfter Hundekasper ;-))

 


 

 

Nachtrag, der Vollständigkeit halber:

 

Erlaubnis nach §11 des Deutschen Tierschutzgesetzes

Seit dem 01.08.2014 ist eine im Juli 2013 beschlossene Änderung des Tierschutzgesetzes in Deutschland in Kraft getreten, nach welcher Hundetrainer, die „gewerbsmäßig Hunde für Dritte trainieren oder die Ausbildung der Hunde durch den Halter anleiten“, die Erlaubnis der zuständigen Behörde, also des jeweils zuständigen Veterinäramtes, benötigen.